Eschelbronn/Sinsheim (rw). Ein Schlaganfall – das ist zuerst einmal ein Schock.
Für den Betroffenen selbst, für die Familienangehörigen und für die Freunde. Die Krankheit kommt ohne Vorboten, aus heiterem Himmel und kann einen bisher gesunden und aktiven Menschen aus dem bisherigen gewohnten Leben reißen und ihn, im schlimmsten Fall, zum Pflegefall machen. Psychische, soziale und wirtschaftliche Probleme sind dabei oftmals die Folge. Dramatisch daran ist auch, dass davon jüngere, im Berufs- und im Arbeitsleben stehende Menschen immer mehr betroffen sind.
Zwei vom Schlaganfall Betroffene, Leo Imhoff aus Sinsheim-Weiler und Marika Gutschick-Schilling aus Eschelbronn haben die RNZ zum Nachmittagskaffee eingeladen, um über ihre Erfahrungen mit der Krankheit, über ihre Bewältigungen damit im ganz normalen Leben und über Möglichkeiten zu reden, wie man damit zu Recht kommt.
Der 78-jährige Leo, ein echtes „Stehaufmännchen“, hat sage und schreibe seit 1991 sechs Schlaganfälle und drei Herzinfarkte bis heute überlebt und sein Wissen darüber und seine Lebensgeschichte danach hat er immer gern weitergegeben und hat damit vielen ähnlich Betroffenen geholfen.
Die 63-jährige Marika, sie ist eigentlich ein Musterbeispiel dafür, wie man gesund lebt.
Sie raucht nicht, sie trinkt nicht und treibt regelmäßig Sport. Dazu im Umfeld eine intakte Familie und ein guter Freundeskreis. Das Schicksal traf sie, als sie im Juni 2022 am Vormittag noch den Eschelbronner Schreinerdorflauf absolvierte und nur wenige Stunden später den Schlaganfall erlitt, dessen Folgen sie bis heute nicht überwunden hat.
Leo merkt man Beeinträchtigungen nach Schlaganfällen und Herzinfarkten beim Gespräch nicht an: quirlig, redegewandt und voller Tatendrang. Aber er sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für seine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe, die er 1999 gegründet hat und der er im eingetragenen Verein als Vorstand vorsteht. Bis zu 60 Mitglieder zählte der Verein einmal, heute sind es nicht mehr ganz so viele. Unermüdlich betreibt Leo seitdem Öffentlichkeitsarbeit mit Vorträgen und im Sinsheimer Krankenhaus trifft sich die Gruppe regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. Veranstaltungen mit Ärzten, mit der Polizei, mit dem Roten Kreuz oder mit dem VdK wurden schon durchgeführt. Oder auch nur gemeinsame Ausflüge, bei denen der Zusammenhalt gestärkt und Erfahrungen ausgetauscht werden.
„Überhaupt ist die Kommunikation und der Austausch untereinander sehr wichtig“ sagt Imhof und er bedauert es etwas, dass manche von dieser Krankheit nur wenig oder nichts wissen wollen. Er will nicht, dass das Thema, das heute, morgen oder übermorgen jeden treffen kann, leider etwas verschwiegen wird oder ganz verschwindet.
Marika als Gastgeberin des Gesprächs hat einen hervorragenden Kuchen gebacken und der Kaffee duftet. Mit ihren Beeinträchtigungen im täglichen Leben hat sie etwas mehr zu kämpfen als Leo, der wie er sagt, „doch so manches durch seine großen Erfahrungen kaschieren kann“.
Marika hatte im beruflichen Leben immer viel mit der Sprache, mit dem Reden und mit dem Schreiben zu tun. Sie stand in der Öffentlichkeit und war auch schon für die RNZ tätig, für die sie Artikel aus dem Eschelbronner Geschehen verfasste. Das ist heute für sie unmöglich.
Seit ihrem Schlaganfall ist sie in ihrem Rede- und Schreibvermögen merklich beeinträchtigt und sie tut alles dafür, dass eine Verbesserung eintritt. So ist sie in regelmäßiger logopädischer und ergotherapeutischer Behandlung, aber es ist ein harter und steiniger Weg, den sie seit drei Jahren inzwischen geht.
Sie sagt, dass ihr der Sport auf diesem Weg hilft, die Gartenarbeit zu Hause, ihr Freundeskreis, auf den sie sich verlassen kann und natürlich ihre Familie. Dort stößt sie auf Geduld, auf Verständnis und auch auf positive Rückmeldungen, die ihr helfen, wenn sie etwas am Boden ist.
Kurz kommt im Gespräch auch das Thema auf, ob Schlaganfallpatienten von der Gesellschaft etwas zur Seite geschoben werden. So ganz kann Marika diesem nicht widersprechen:
„Ich spüre, dass alles im täglichen Leben nur noch ganz schnell gehen muss. Wenn ich beim Bäcker oder beim Metzger an der Theke stehe und mir fallen auf Anhieb nicht gleich die richtigen Worte ein, dann merke ich die Ungeduld in meinem Umfeld, was für mich doch etwas belastend ist“.
Beide, Leo und Marika, lassen trotz allem den Kopf nicht hängen und stellen sich ganz offensiv ihrer Krankheit. „Verstecken gilt nicht“, und so wollen sie allen Betroffenen helfen,
ihr Schicksal besser bewältigen zu können und jedem klar zu machen, dass es auch „ein lebenswertes Leben danach“ gibt, das man mit all seine bunten Facetten und seinen positiven Erlebnissen genießen kann.
Wer einen ersten Kontakt aufnehmen möchte, der kann sich bei der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Sinsheim und dessen Vorsitzendem Leo Imhof in Sinsheim unter info@schlaganfall-sinsheim.de oder unter Tel. 07261-3395 jederzeit gerne melden. Vielen Dank für ihr Interesse!

Leo Imhof und Marika-Gutschick-Schilling sind zwei Schlaganfall-Patienten, die über
 ihre Erfahrungen berichten und anderen Betroffenen helfen wollen.


Bilder vom Seniorentreffen am 28.07. 2025


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Im Foyer der Dr. – Sieber – Halle 2026